Der Kulturweg ist im Winter geschlossen

 

 

1. Der grösste Speicher im Oberwallis (1853)


Ortsbezeichnung: Metzgassa (in dr Metzg)

Gemeinschaftsbau zahlreicher Familien.

Im oberen Holzteil lagerte man Trockenfleisch, Brot, Getreidekörner und Habseligkeiten. Es war der «Kühlschrank» von anno dazumal.

Stelzen und Steinplatten verhindern das Eindringen von Mäusen.

Im unteren Mauerteil wurde Schafe und Ziegen untergebracht. 

 

Details zum grössten Speicher im Oberwallis

Wir starten mitten in Zermatt: Am oberen Rand des Kirchplatzes (1621 m. ü. M.) geht bergseitig eine kleine Gasse ab, die Metzgasse. Wir gehen sie in westlicher Richtung hoch. Bereits nach 20 Metern stehen wir vor ihm, dem grössten Speicher weit und breit. Üblicherweise gehören Speicher zu den Kleinbauten und es gibt viele, die nur drei auf vier Meter messen. Denn so umfangreich waren Nahrungsmittelvorräte und Kostbarkeiten der Bauernfamilien nicht, dass es grössere Gebäude gebraucht hätte.

 

In diesem Falle aber fanden die Einheimischen eine andere Lösung: Gleich 15 verschiedene Besitzer taten sich zusammen. Statt dass jeder seinen eigenen Kleinbau erstellte, errichtete man gemeinsam einen riesigen Speicher. Er misst 14.8 m in der Breite und 3.7 m in der Tiefe (Innerkant). Die in einem Guss erstellte Maximallösung sparte nicht nur Baukosten, sondern auch Bauland, das im Dorf eh knapp war. Der aussergewöhnlich grosse Bau hat also nichts mit Idealen von Gemeinsamkeit und gegenseitiger Hilfe zu tun, sondern ist schlichtweg eine Sparmassnahme, von der jeder selbst profitierte.

 

Weit in die Jahrhunderte zurück reicht unser Speicher nicht. Er ist etwas älter als die Erstbesteigung des Matterhorns (1865), er wurde 1853 erstellt. Damals steckte der Tourismus erst in seinen zarten Anfängen und die Bevölkerung bestand grösstenteils aus Bauern, die sich weitgehend selbst versorgen mussten. Die Speicher waren so etwas wie heute die Tiefkhühltruhe und der Kühlschrank - sind sie leer, herrscht Hunger!

Diesem Gebäudetyp begegnen wir auch wieder bei der nächsten Station unseres Weges. Dazu kehren wir die paar Schritte zurück auf den Dorfplatz.

 

Die drei Holzproben erfolgten im Keller, im Erdgeschoss West und im Erdgeschoss Südwand. Sie zeigen alle das gleiche Fälljahr des Bauholzes: 1853. Das gesamte Gebäude wurde offenbar in einem Zug erstellt. Ein ersetztes Deckenbrett datiert von 1901, eine Reparatur.

Labornummern Dendrosuisse 2017: 620777-785