10. Stadel erbaut 1335, Stallscheune erbaut 1422


Ortsbezeichnung: Wigguhüs (Zem Wigguhüs)

Einer der schönsten Stadel von Zermatt auf hohen Stelzen mit Steinplatten. Der Stadel diente zur Lagerung von Getreidegarben.

Daneben steht eine Stallscheune, in der oben Heu gelagert wurde und unten das Vieh war.  Von einem dritten Gebäude ist nur noch die Hofstatt (Grundmauern) zu sehen. 

 

Details zum Stadel und Stallscheune

Wir verlassen die Luchsfalle und gelangen auf dem Wanderweg bereits 100 Meter taleinwärts aufs offne Gelände: das Plateau der Aroflüe. Zu diesem Ort kursierte unter Einheimischen folgende Geschichte: ds Ari – so heisst der Adler im Dialekt – habe einmal auf der anderen Talseite, im Aroleyd, einen Säugling gepackt. Hoch in den Lüften habe er das Kindlein herüber auf diese Talseite getragen, doch hier wieder losgelassen. Daher heisse es hier Aroflüe. Gemeint sind die hohen Felsen, die sich rechts von uns erheben, während der Weg nun über ein offenes Wiesengelände führt.

 

Über das Plateau sind ein halbes Dutzend Gebäude zerstreut. Die Fläche heisst im Dialekt uf dr Aroflüe. Die gemauerten Gädini sind normale Stallscheunen. Wie es auf den Maiensässen und Alpen des Wallis häufig der Fall ist, wurden in den letzten Jahrzehnten einige dieser Bauten zu Ferienwohnungen umfunktioniert. Dies ging nicht überall ohne Agrarromantik vor sich. Den Fassaden wurde mit Sichtsteinen und anderem Zierrat ein pittoresker ‚Älplertouch' verpasst, der mit der schlichten Erscheinung der wirklich ‚echten' Gebäude nichts zu tun hat.

 

Auf der Flur Aroflüe sieht man von weitem den Stadel Wigguhüs vor imposanter Kulisse. Am linken Bildrand das alte Wohnhaus „uf de Schtaffla“. Eckverband des Stadels Wigguhüs mit unregelmässig vorstehenden Balkenköpfen („wildes Gewett“).

 

Schon 200 Meter nach dem Waldrand haben wir eine kleine Anhöhe erreicht, auf der ein von weitem sichtbarer Stadel thront und mit dem Matterhorn im Hintergrund ein Postkartenbild par excellence darstellt. Das hochgestelzte Landwirtschaftsgebäude steht auf der Flur namens Wigguhüs

– obschon hier heute kein Haus mehr steht. Der Flurname jedoch weist darauf hin, dass hier einst die Wohnstätte eines Wickart oder Wighard stand; Wighards Haus verschliff sich im Dialekt zu Wigguhüs, wie die Flurnamenforscher berichten. Auch dieser Ort inmitten eines fruchtbaren, teils flachen Geländes war im Spätmittelalter wohl bewohnt – beim Blick ins Tal sehen wir auf der etwas tieferen Ebene noch ein altes Wohnhaus. Auch am südöstlichen Ende unseres Plateaus werden wir auf ein weiteres Wohngebäude stossen, das Haus im äusseren Mutt.

 

Dieses Schicksal blieb dem Stadel Wigguhüs und der neben ihm stehenden Stallscheune erspart: Sie wurden vor Jahrhunderten erbaut, blieben an Ort und Stelle stehen und erfüllten hier während Generationen ihren Zweck.

 

Das baufällige Dach der in die Jahre gekommenen Scheune Wigguhüs wurde 2018 durch die Initiative der Kulturkommission der Gemeinde Zermatt renoviert.

 

Die Stallscheune auf der Flur namens Wigguhüs wurde 2017 dendrochronologisch untersucht. 15 Proben wurden entnommen und die Jahrringkurven des Holzes analysiert. Dabei zeigte sich, dass der Stall und die Scheune zu zwei verschiedenen Zeiten gebaut worden waren.

Das untere Geschoss, der Stall, stammt einheitlich aus dem Jahre 1383, wie fünf der Proben belegen. Der Oberteil jedoch, die Scheune mitsamt Dach und First, datiert aus dem Jahr 1576. Hier wurden also zwei Gebäudeteile zusammengesetzt. Sei es, dass sie von verschiedenen Orten hierher transportiert wurden, sei es, dass Naturgewalten das Gebäude beschädigten und es saniert wurde.

Erstaunlich ist auch, dass der Stall älter ist als die Scheune, wurde doch dieser durch die Tierhaltung stärker beansprucht und musste demzufolge öfter erneuert werden.

 

Labornummern Dendrosuisse 2017: 621019-028 und 621159-163

 

Am Hang stehende  Stadel wurden im Wallis hin und wieder hoch aufgebockt. Der darunter entstehende Raum diente als zeitweiliger Arbeitsplatz oder als  gedeckter Lagerraum für allerhand landwirtschaftliche Geräte, Holz oder Werkzeuge. 

 

Die Mehrheit der 2017 entnommenen Proben weist auf einen 1726 entstandenen Bau.  Auch die Jahrringe des Schwellenkranzes, auf dem die Stadelbeine stehen, enden 1721 und 1722. Wir haben einen Stadel vor uns, der 1726 gebaut bzw. umgebaut worden sein dürfte. Dabei wurden auch zwei Kanthölzer wieder eingebaut, die von 1382 und 1683 stammen – wieder verwertetes Bauholz. 

Auch drei Proben im Basisgeschoss machen uns stutzig:  In der Nord- und in der Westwand finden sich drei Kanthölzer von 1335/1336 und ohne nachproben ist vorderhand nicht zu entscheiden, ob das unterste Wandgeviert lediglich einige wiederverwertete Hölzer des 14. Jahrhunderts aufweist oder als Ganzes in den 1330er Jahren erbaut wurde. 

 

Labornummern Dendrosuisse 2017: 621029-038 und 621126-129 und 621155-158.


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