9. Luchsfalle


Ortsbezeichnung: Luchsfalla (Zer Luxfallu)

Früher wurde alles bejagt, was dem Lebensunterhalt und der Landwirtschaft Schaden zufügte. Hier ist eine von zwei übriggebliebenen Luchsfallen von Zermatt. Im ganzen Wallis gibt es davon nur sehr wenige. 

 

 

Details zur Luchsfalla

Am oberen Wegrand ragt ein Fels wie ein Obelisk auf. Er trägt die Ortsbezeichnung „Fuxschtey“, also Fuchsstein. Direkt hinter ihm liegt sie, von wucherndem Gestrüpp getarnt, keine zehn Meter vom Wanderweg entfernt: die Luxfalla, die Luchsfalle. 

 

Solche Einrichtungen der Jagd sind nur wenige übrig geblieben. Heute zählt man im Wallis die einst zahlreichen Bären- und Wolfsgruben oder die häufigen Luchsfallen an einer Hand ab. In Zermatt jedoch sind gleich zwei solcher Luchsfallen im Gelände zu finden. Die zweite befindet sich unter dem Dossen bei Schweigmatten.

 

Aus Natursteinen, die auf einem sorgfältig flach gelegten Fundament aufgeschichtet sind, wurde eine Art Tunnel aufgemauert, der bei unserem Exemplar auf der Flur „Zer Luxfallu“ zwei Meter lang ist. Die längliche Öffnung misst innen 50 cm in der Höhe und 40 cm in der Breite.

 

Ein alter Jäger aus einem anderen Walliser Seitental, der 1909 in Ried im Lötschental geborene Max Rubin, erzählte einmal, wie diese Luchs- und Marderfallen funktionierten: Das Raubtier habe sich trotz des Köders nie in einen geschlossenen Gang hinein gewagt. Nur wenn am anderen Ende ein Ausgang und Tageslicht sichtbar sei, gehe das Raubtier hinein. Man legte daher in der Mitte den Köder aus. An ihm waren zwei Schnüre befestigt, die zum vorderen wie zum hinteren Eingang der Luchsfalle führten. Dort war ob dem Zugang je eine kleine Holztür fixiert. Das Türchen liess sich in zwei seitlichen Nuten auf und ab bewegen. Berührte ein Tier die Schnur, so lösten sich beide Arretierungen und die Türchen fielen wie eine Guillotine herunter und schlossen beide Zugänge. 

 

Von den Holzteilen (Falltürlein, genutete Führungen, Arretierungen) sehen wir inzwischen nichts mehr. Doch der Bau an sich ist intakt. Er ist ein seltener Zeuge aus jener Zeit, als Luchs, Marder und andere Raubtiere noch Hühner, Schafe und Ziegen holten. Damit fügten sie der Bevölkerung, die von der kargen Berglandwirtschaft leben musste, empfindlichen Schaden zu. Entsprechend bejagte man sie und rottete die meisten von ihnen im Verlauf des 19. Jahrhunderts aus.