12. Gletscherschliff und Bikki


Ortsbezeichnung: Biinelti (Im Biinelti)

Während der Eiszeit bedeckte der Gletscher Zermatt bis auf eine Höhe von ca. 2600 M.ü.M. Hier war er ca. 700 Meter dick und schliff an diesem Felsrücken. Die Längsrillen zeigen die Fliessrichtung.

Daneben befindet sich ein Teilstück eines alten Weges der mit Steinen gepflästert ist. Im Volksmund „Bikki“. 

 

Details zum Gletscherschliff

In der weiteren Umgebung sehen wir die uns schon bekannten Ackerterrassen, deren talseitige Stützmauern teils noch intakt sind. Andere Natursteinmauern sind eingefallen und übersähen als Geröllhaufen die einst säuberlich gepflegten Matten und Äcker. Wir gehen noch einige hundert Meter weiter und treffen wiederum auf Steine, die ihre eigene Geschichte erzählen. 

Hier auf der Flur namens Biinelti führt der Wanderweg über einen länglichen, vom einst weit talauswärts führenden Gletscher geschliffenen Felsrücken. Der glatt polierte Fels ist das Werk des Muttgletschers. Die letzte grosse Eiszeit endete vor etwa 15‘000 Jahren. Damals füllten die Gletscher das ganze Tal auf und verlief auf einer Höhe von ca. 2‘600 Metern, also 700 Höhenmetern über dem Biinelti. Heute müssen wir fünf Kilometer das Tal hoch laufen und 400 Höhenmeter steigen, bis wir eine schmächtige Gletscherzunge erreichen – Tendenz steigend…

Während den Eiszeiten erodierte die Kraft der tonnenschweren Eismassen, was sich den Gletschern entgegenstellte. Am Boden schliff der Druck des wolkenkratzerhohen Gletschers alles glatt – charakteristische Zeugen dieser Zeit sind die geschliffenen Felsrücken wie hier im Biinelti. Rings um das Gebäude und den Felsen sehen wir blumenreiche Wiesen. Einst befanden sich auch hier Äcker, die man später zuwachsen liess. Der Name Biinelti ist eine Verkleinerungsform zu Biina. Dieser im Oberwallis häufige Flurname weist auf einen Pflanzplatz – die fruchtbaren Landstreifen um das Gebäude herum sind sprechende Zeugen dieses Flurnamens.

 

Wir blicken zurück auf das Plateau. Wenige Meter vor dem Biinelti kommen zwei Wege zusammen, die von Zermatt hierher führen: Ein unterer Weg, den wir beschritten und ein älterer, oberer Weg, der von der Herbrig hoch über die Bauten auf dem Hubel und durch die Hubelwäng führt. Es handelt sich dabei um Zubringer zu den Pässen: Im Talhintergrund von Zmutt führte der Col d’Hérens ins Eringtal und der Col de Valpelline in die italienische Nachbarschaft. Weiter konnte man in einer weiten Schlaufe, doch sicher und ohne Höhenverlust, in südöstlicher Richtung den viel begangenen Theodulpass erreichen. Diese schon in vorgeschichtlicher und in römischer Zeit stark begangenen Nord-Südverbindungen dienten bis in die Zeit nach 1800 mehr als bloss dem lokalen Austausch. Wo nötig mit Stützmauern abgesicherte und mit einem soliden Steinbett versehene Zufahrtswege und Passübergänge dienten auch einem regionalen und internationalen Warenverkehr. Die Postkutschen, die Eisenbahn und der Ausbau benachbarter Alpenpässe mit fahrbaren Strassen (Grosser Sankt Bernhard, Simplonpass) brachten den Verkehr auf den zahlreichen Übergängen zum Erliegen und die Wegsysteme gerieten in Vergessenheit und zerfielen.